Frau Ollmann beim Angießen der Zitterpappel.
Bei herrlichem Sommerwetter hieß es am Sonntag (12.07.2026) wieder: Kescher raus und ab an die Delme. Im Ferienprogramm der Stadt Delmenhorst hatte der NABU zum „Tümpeln" eingeladen, und zwölf Kinder waren dabei, sechs Jungen und sechs Mädchen im Alter von etwa fünf bis zwölf Jahren bewaffnet mit Gummistiefeln, Kescher und Gläsern.
Los ging es am Delmestau in Hasbergen. Auch die Kleinsten hatten keine Scheu vor dem Wasser, sodass die Betreuer immer schnell hinterher sein
mussten. Später zog die Gruppe weiter zu den Gräben rund um die Windkrafträder „Winnie und Klärchen“. Die Kinder waren neugierig und wissbegierig und haben den Betreuern ordentlich Löcher in den
Bauch gefragt, und das ist auch gut so. Richtig aufregend wurde es, als reihenweise Stichlinge in die Kescher gingen, am Ende hatte fast jedes Kind welche gefangen. Einige waren von dem teilweise
stinkenden Schlamm in den Gräben nicht so angetan, sodass NABU-Mitglied Andreas Kinder die vollen Kescher der Kinder dann begutachtete und die gefundenen Tiere in ihre Gläser verteilte, wo sie
dann gleich neugierig begutachtet wurden.
Gefunden wurden an diesem Tag: Molch, Stichling, Libellenlarven, Wollhandkrabben, ein Kamberkrebs, Wasserasseln, ein Wasserskorpion, Muscheln, Schnecken, Egel und ein paar Cent-Stücke
J. Alle Tiere durften kurz bestaunt werden und kamen anschließend wieder
zurück ins Wasser.
Ein großes Staunen gab es wieder bei der Kolbenwasserkäferlarve, die selbst NABU-Mitglied Carola Schewe-Kinder noch nie in ihrem Leben
gesehen hatte, obwohl sie zu Hause einen Teich hat und dort ständig auf dem Bauch liegt und alles beobachtet und fotografiert. Eine wirklich riesige Larve, die man nur selten zu Gesicht bekommt.
Mehrere Zentimeter lang, madenähnlich, mit sechs Beinen und kräftigen Zangen, lebt sie meist gut versteckt am Gewässergrund. Trifft sie auf eine Schnecke, biegt sie den eigenen Kopf um rund 90
Grad nach hinten, knackt so das Gehäuse und saugt die Beute aus. Ihre Lieblingsspeise. Als fertiger Käfer frisst das Tier später nur noch Grünzeug.
Auch die Stichlinge sorgten für Gesprächsstoff. In der Delme und den umliegenden Gräben leben zwei Arten, der Dreistachlige und der Neunstachlige Stichling. Ihre Namen verdanken sie schlicht der
Anzahl der Stacheln auf dem Rücken, die sie bei Gefahr aufstellen, um sich zu schützen. Dipl. Biologe Uwe Handke erklärte 4 Stunden geduldig allen Kindern, welche „Beute“ in ihren Gläsern zu
finden war. Dafür wurde auch mal zusammen in den mitgebrachten Büchern geblättert und verglichen.
Eine echte Überraschung für einige Kinder war am Ende noch etwas ganz anderes. Als die Forschergruppe am Vormittag am Delmestau loslegte, konnte man noch alle Stufen bis runter zu den Steinen gehen und mit den Gummistiefeln bequem im Wasser waten. Gegenüber lag eine kleine Sandbank. Nur wenige Stunden später waren die untersten Stufen bereits überflutet, die Sandbank verschwunden, und wer da noch einmal reingegangen wäre, hätte bis zum Bauchnabel im Wasser gestanden. Ein schönes Beispiel dafür, wie stark die Gezeiten von Weser und Ochtum auf die Delme einwirken, auch wenn man das sonst nur von der Nordsee her kennt. Die Kinder fanden das mindestens genauso spannend wie die Tiere im Kescher.
Fotos: Carola Schewe-Kinder